Erfundene Fußballspiele und die Millionengewinne – Ist es Betrug?

Um es vorwegzunehmen: Ja, es handelt sich hier um Betrug!
Wie im Märchen, wo das Rumpelstilzchen aus Stroh Gold spinnt – der neue Trick bei den Fußball-Wetten kann damit fast verglichen werden. Mittlerweile setzen die Wettbetrüger im Internet auf erfundene Fußballspiele und verdienen sich damit eine goldene Nase bzw. Millionen. Bis zum März 2015 sind weltweit innerhalb von sechs Monaten rund 20 sogenannte Geisterspiele aufgefallen.

betrug bei fussballwetten - Wettbetrüger Robert Hoyzer – Wikipedia

Der Rückblick

Nachdem der deutsche Fußball durch den Wettskandal um Robert Hoyzer vor 10 Jahren erschüttert wurde, hat der organisierte Wettbetrug neue Formen angenommen. Die steigende Nachfrage der Sportwetter, auf jedes kleinste Geschehnis Wetten platzieren zu können, lässt die Kreativität der Wettbetrüger in neue Sphären wachsen.

Heute müssen die Wettbetrüger Spieler, Schiedsrichter, Trainer und andere Mitwirkende nicht mehr manipulieren, sondern sie erfinden ganz einfach ein Spiel. So hat am 03. Februar 2014 der weißrussische Erstligist FK Sluzk gegen den FK Schachzjor Salihorsk gespielt und zwei späte Tore erzielt und das Spiel mit 2:1 gewonnen. Für Schachzjor war das eine derbe Niederlage, vor allem weil die Mannschaft in der Europa League spielte und sogar in der 1. Qualifikationsrunde der Champions League antreten durfte. ABER, es war gar keine Niederlage – denn dieses Spiel fand niemals statt.

 

Aber dennoch haben zwei europäischen Sportwetten-Anbieter für diese Begegnung Wetten angenommen und von SBOBET wurde das Endergebnis sogar bestätigt. Im April 2015 wurde dieser Fall noch untersucht und da es auch zuvor schon Vorfälle dieser Art gegeben hat, stellt sich die Frage: Wie ist so was überhaupt möglich?

 
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Erfundene Spiele sind äußerst durchdacht

Diese erfundenen Spiele sind bis in das kleinste Detail geplant und äußerst durchdacht. Die Wettbetrüger erfinden nicht nur Anstoßzeiten, Statistiken und Ergebnisse, sondern nutzen reale Teams und lassen diese gegeneinander antreten. Durch einen Datenscout werden die Wett-Büros mit den Live-Spielinformationen versorgt und bei der Vielzahl der Fußballspiele die täglich auf der Welt stattfinden, werden die erfundenen Spiele so platziert, dass sie in der großen Masse an Angeboten untergehen. Die Wettbetrüger gehen dabei sehr geschickt vor, denn selbst die legalen Bookies fallen ebenso auf sie herein, wie die illegalen.

Bis zum April 2015 waren vier Fälle bekannt, wo erfundene Spiele „stattfanden“. Drei davon wurden im letzten Jahr (2014) ausgetragen und das spricht für eine zunehmende Tendenz. Der letzte bekannte Fall stammt aus August 2014, wo es zu einem imaginären Freundschaftsspiel zwischen dem portugiesischen Verein Freamunde und dem spanischen Club Ponferradina kam. Auch zu diesem Spiel wurden Wetten angeboten und es wurde sogar ein Spielbericht auf den Vereinswebseiten veröffentlicht.

Ghost Match: Bereits vor 40 Jahren gab es das erste

Es sind bisher nur vier solcher Betrugsfälle bekannt, doch es ist wahrscheinlich, dass es in Wirklichkeit viel mehr Spiele „dieser Art“ gegeben hat und das vor allem auf dem lukrativen und illegalen Wettmärkten Asiens. So ist einem Telegraf-Bericht aus dem Jahr 2011 zu entnehmen, dass die FIFA darüber informiert wurde, dass für solche Betrugsfälle, verschiedene Nationalmannschaften aus Asien und eventuell auch Landesauswahlen aus dem Nahen Osten für diese Art von Wettbetrug herhalten mussten.

Es kann in einer gewissen Hinsicht ausgesagt werden, dass diese frei erfundenen Spiele der nächste „logische“ Schritt sind, für zunehmend aggressivere Wettbetrüger. Denn hier werden nicht nur Spieler, Schiedsrichter und Sportoffizielle bestochen, sondern es ging sogar schon so weit, dass ein komplettes Team aus Hochstaplern auf Feld geschickt wurde, das sich als Nationalmannschaft Togos ausgegeben hat, um so ein bestimmtes Wunschergebnis zu erzielen.

Im Übrigen ist es deutlich kostenintensiver Schiedsrichter und Mannschaften zu bestechen, als einfach nur ein Spiel zu erfinden, denn hier muss nur eine einzige Person bezahlt werden, nämlich der Datenscout vor Ort.

Im Übrigen: Bereits vor über 40 Jahren ist bereits der amerikanische Markt auf erfundene Spiele reingefallen!

Im Grunde keine neue Idee: Das Ghost Match

Der professionelle Sportwetter Pete White war in den 1960igern vielen in der Branche voraus. Denn er hat minutiös die verschiedenen Trainerphilosophien katalogisiert von den einzelnen Football- und Basketballteams, sowie die individuellen Stärken und Schwächen der Spieler und die Daten gesammelt, bei denen er der Ansicht war, dass diese ihm dazu verhelfen bessere Wettergebnisse zu erzielen. Der frühere Boss des Sportwetten-Büros Scott Scheffler schreibt in seinem Buch „We were Wisguys and Didn’t know it“, dass Whites größter Coup weniger mit seiner Analysefähigkeit zu tun hatte, sondern eher mit reichlich Dreistigkeit.

So heißt es in dem Buch, dass Pete White zu Beginn der 1970er-Jahre ein echt großes Ding gedreht hat, und zwar nur um zu beweisen, dass er dazu imstande ist. Dabei ging es White nicht um Geld, heißt es: Denn er hat den Betrug sofort selbst auffliegen lassen, nachdem er ihn begangen hat und den Gewinn zurückgezahlt. Folgenden Betrug hat der Sportwetter Pete White begangen:

Er hat an einem besonders vollen Spieltag – einem Samstag – ein College-Basketballspiel erfunden und dafür gesorgt, dass die Bookies dieses Spiel führen. Er hat dann auf die Partie gewettet, fiktive Spielstände an die Buchmacher übermittelt und am Ende einen ordentlichen Gewinn erzielt. Diesen Gewinn hat er nicht behalten, sondern den Buchmachern nur erklärt, dass sie einen lausigen Job ausführen…

Seitdem ist sicherlich viel Zeit vergangen und theoretisch sollte man denken, dass eben so etwas heute in der Zeit der Technik, so was nicht mehr funktioniert – doch wir wissen: Die Realität sieht anders aus. Aber, heute können die „modernen“ Wettbetrüger nicht nur erfolgreich Spiele erfinden, sondern sie haben noch ein weiteres Ass im Ärmel. Eben dieses knüpft direkt an dem Hollywood-Klassiker „Der Clou“ an: Eben dabei handelt es sich um das sogenannte Late-Betting.

Der Datenscout ist die Schlüsselfigur

Die Datenscouts spielen in der Konstellation der sogenannten Ghost Matches die Schlüsselfigur, denn sie sind die Verbindung zwischen dem Wettbüro und dem Spiel. Die Aufgabe der Datenscouts ist es, die Daten, jede Spielsituation und auch jedes entscheidende Ergebnis in Echtzeit an die Wettbüros zu senden. Durch diesen Vorgang ist es möglich, eine Begegnung am Live-Ticker zu verfolgen, und gleichzeitig wird die Möglichkeit von Live-Wetten geschaffen. Damit die Unabhängigkeit der Datenscouts gewährleistet ist, agieren diesen stets aus dem Hintergrund und bleiben dort auch. Doch es ist anzunehmen, dass es gerade diese Anonymität ist, die den Weg zur Korruption öffnet. Beispielsweise ist es bereits öfters in der Vergangenheit vorgekommen, dass Datenscouts die Live-Berichte herausgezögert haben, bis zu dem Zeitpunkt, wo der Komplize zwischenzeitlich auf das bereits eingetretene, aber eben noch nicht veröffentlichte Spielergebnis eine Wette platziert hat.

Es ist schwer funktionierende Kontrollsysteme zu installieren und es wird versucht anhand der Quotenverläufe Anomalien festzustellen. So bildet beispielsweise Wetteinsätze, die auffällig hoch sind, einen Indikator für Wettbetrug. Das letzte Spiel, das aufgrund von ungewöhnlichen Wettverhalten und auffälligen Quotenverläufen unter Manipulationsverdacht geraten ist, war das Testspiel des VfB Stuttgart gegen einen albanischen Erstligisten – hier hatte der Sportradar – ein Datenauswertungssystem – sofort Alarm geschlagen, mit dem sich der DFB und die DFL vor Wettbetrug schützen.

Trotz verbesserter Strafverfolgung nehmen die Betrügereien wieder zu

Bei den Datenscouts handelt es sich um freie Mitarbeiter, die weltweit in die Stadien gehen und die Spielergebnisse für die Sportdatenanbieter festhalten, die diese dann unverzüglich an die Wettbüros weitergeben. Eben diese Datenscouts, die für ihre „Arbeit“ zwischen 40 und 100 Euro pro Spiel erhalten sind zu einem verstärkten Angriffsziel der Wettbetrüger geworden. Bereits vor Jahren wurden den Scouts 150 Euro für eine verzögerte Meldung geboten und der Tarif ist bis dato auf bis zu 5000 Euro gestiegen, erzählen Insider. Weiter erzählen Insider, dass die Verzögerungen den Wettbetrügern erlauben, todsichere Tipps abzugeben, wenn sie von den Ereignissen wissen. So wurde auch ein Vorfall bekannt, wo ein Datenscout mit einer Waffe bedroht wurde, um ein Tor verspätet zu melden.

Doch das Kerngeschäft der „Matchfixer“ gerät bei all den Machenschaften nicht in Vergessenheit. So wird alles ausprobiert, was nur geht und funktioniert es nicht, dann kehren sie zu dem klassischen Modell zurück – und bestechen Spieler. Zudem wird beobachtet, dass die Betrügereien trotz der verbesserten Strafverfolgung wieder zunehmen und der Sektor „Wettbetrug“ wächst. Denn die Betrüger werden klüger, lernen aus dem Vergangenen und wenn etwas ans Tageslicht kommt, dann handelt es sich wohl eher um einen Zufallsfund. Denn es gibt immer wieder jemanden der die Nerven verliert oder es wird jemand so unter Druck gesetzt, dass er letztendlich auspackt.

Weltweit wird pro Tag ein verdächtiges Fußballspiel von den Wettunternehmen notiert. Somit ist die Zahl von 20 Geisterspielen in einem Zeitraum von 6 Monaten nicht als hoch zu bezeichnen. Doch andererseits ist diese Zahl auch ein Zeichen dafür, dass hier ein beachtliches Maß an krimineller Kreativität am Gange ist.

Nun stellt sich die Frage am Ende, ob es überhaupt eine ultimative Lösung gibt. Das ist schwer zu beantworten, denn es steht eines mit Sicherheit fest: Fiktive Spiele stellen eine harte Nuss da, denn wie kann etwas aufgedeckt werden oder wie kann etwas auffliegen, dass gar nicht existent ist?

 
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Erfundene Fußballspiele und die Millionengewinne – Ist es Betrug? was last modified: Mai 22nd, 2018 by Birgit