Spielsucht – Wie schnell kann es passieren?

Sportwetten sind eine gefährliche Gratwanderung zur Spielsucht und der Einstieg ist schnell gemacht! Zumeist beginnt es mit niedrigen Einsätzen, damit sich der Spieler erst einmal in der Welt der Sportwetten zu Recht finden kann. Zumeist werden dann die ersten Einsätze auch auf bekannte und große Sportevents platziert, denn hier hat der Spieler das Gefühl, dass er sich besonders gut auskennt und somit über das notwendige Hintergrundwissen verfügt um eine erfolgreiche Wette abzuschließen. Es kann dann gut sein, dass sich bereits der erste Erfolg einstellt, und sollte das nicht der Fall sein und das Wettkonto bereits nach wenigen Tagen bereits gähnende Leere aufweist trotz kleiner Einsätze, dann besteht die Gefahr, dass der Sportwetter versucht, das verlorene Geld so schnell wie möglich wieder zurückzugewinnen.
spielsucht von menschen

Die ersten Frustwetten werden platziert

Die Folge ist eine erneute Einzahlung auf das Spielerkonto und diese fällt zumeist dann auch noch höher aus als die erste und damit beginnt der Anfang vom Ende. Denn nun ist der Sportwetter nicht mehr nur noch mit dem Spaß und der Spannung beschäftigt, bei denen es bei den Sportwetten geht, sondern es wird ein großes Ziel verfolgt: das schnelle Geld zu realisieren. Ab diesem Zeitpunkt wird der Sportwetter sich keine Informationen mehr zu dem Wett-Event einholen, sondern einfach die Wette platzieren und platziert unter Umständen sogar wahllos Wetten auf Sportevents, die gerade aktuell sind. Aufgrund dessen, dass das Sportwetten-Angebot immer größer wird und von den Sportwetten-Anbietern kein Event mehr ausgelassen wird, wird es dem Spieler leicht gemacht, zahllose Wetten zu platzieren. Sollte das Glück an der Seite des Sportwetters stehen, dann kann er durch die ersten Frustwetten seinen bisherigen Verlust minimieren oder sogar wieder egalisieren. Doch wenn in dem Moment der Ernst der Situation verkannt wird, dann kann das bereits in diesem frühen Stadium böse Folgen mit sich ziehen.

Immer mehr Kapital wird eingezahlt

Die Folge ist, dass es entweder wöchentlich zu neuen Einzahlungen kommt oder sogar zu täglichen, damit das Geld das verloren wurde, zurückgewonnen werden kann. Hier ist der Sportwetter bereits von der Spielsucht getrieben und er investiert nicht nur immer mehr Geld, sondern auch immer mehr Zeit um seine Spielsucht zu befriedigen. Das persönliche Befinden und der Tagesablauf liegen nun in der Hand der Sportwetten und wenn der Tag dann mit einer positiven Bilanz beendet wird, dann fühlt sich der Sportwetter in seinem Handeln bestätigt. Sollte der Tag jedoch negativ enden und das Wettkonto weist wieder einmal kein Guthaben auf, dann kann das auch sehr schnell in Wut und Frustration gegenüber den Mitmenschen enden. Die Sportwetten stehen ab dem Zeitpunkt absolut im Vordergrund und das eigentliche Leben beginnt in dem Sportwettensumpf zu versinken.

Es soll keinem der Einstieg in die Sportwetten genommen werden oder der Spaß daran, doch der Sportwetter sollte sich an gewisse Regeln halten. Denn so kann er auch mit einem gewissen Ehrgeiz sein Glück versuchen und das, ohne gleich der Gefahr der Spielsucht ausgeliefert zu sein.

Die wichtigsten Grundsätze

Werden die folgenden Grundsätze beim Sportwetten befolgt, dann kann der Sportwetter die Vorteile des Sportwettens in vollen Zügen genießen:

  • Die Sportwetten sollten stets nur als Freizeitspaß angesehen werden und nicht als Verdienstmöglichkeit
  • Es sollte niemals versucht werden durch höhere Einsätze Wettverluste wett zu machen
  • Es ist wichtig sich Limits für die Wetteinsätze zu setzen
  • Es sollte nur dann gewettet werden, wenn die Wettverluste auch abgedeckt werden können
  • Niemals mit geliehenen Geld wetten
  • Immer den Überblick behalten über die Wetten die platziert wurden sowie auch über die verlorenen Beträge und die investierte Zeit
  • Nur in guter geistiger und körperlicher Verfassung wetten, niemals unter Einfluss von Alkohol oder Medikamenten/Drogen

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  • Den Kundenschutz der Wettanbieter nutzen – so kann die Wettaktivität unter Kontrolle gehalten werden. Ein Beispiel: die automatischen Zeit- und Einzahlbegrenzungen oder der Spielerselbstausschluss

 

Spielsüchtig ja oder nein?

Für den Spielenden selbst ist es oftmals nur schwer selbst zu beurteilen, ob sein eigenes Spielverhalten noch im grünen Bereich angesiedelt werden kann oder ob dieses eher schon als kritisch bezeichnet werden muss. Doch es gibt eindeutige Kriterien, die ein problematisches Wettverhalten kennzeichnen. So kann das beispielsweise sein, wenn der Spieler mehrfach vergeblich versucht, weniger zu wetten oder sogar gar keine Wetten mehr zu platzieren, aber jedes Mal wieder damit anfängt – dann deutet das auf einen Kontrollverlust hin und ist zugleich ein typisches Anzeichen dafür, dass es sich um einen problematischen Umgang mit Sportwetten handelt. Sollten bei dem Versuch, entweder weniger zu wetten oder ganz damit aufzuhören, Gereiztheit und/oder Unruhe auftreten, dann ist das ebenso ein Zeichen für ein kritisches Spielverhalten und ist fast gleichzusetzen mit den „Entzugserscheinungen“ von beispielsweise einem Drogen- oder Alkoholabhängigen. Auch wenn es zu Lügen kommt bezüglich der Sportwetten in Bezug auf Umfang und Einsatz ist das ein ebenfalls charakteristisches Zeichen für problematisches Wetten oder einfacher ausgedrückt für die Spielsucht.

Entzugserscheinungen, Kontrollverlust und seine Mitmenschen belügen – all das erinnert an Kennzeichen einer Sucht. Das Pathologische (Krankhafte) Glücksspiel wurde in der neuesten Fassung des amerikanischen Klassifikationssystems für Psychische Störungen „DSM-V“ erstmalig in die Kategorie der Abhängigkeitserkrankungen aufgenommen. Noch gilt das Pathologische Glücksspielen als „Störung der Impulskontrolle“ in dem Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation WHO ICD 10, doch es wird erwogen, das pathologische Glücksspiel in die Gruppe der Abhängigkeitserkrankungen aufzunehmen. Der Volksmund spricht bereits von der „Glücksspielsucht“ während die Experten in den Fachkreisen noch immer den Begriff „Pathologisches Glücksspiel – krankhaftes Glücksspiel“ nutzen.

Die Checkliste

Wurde bisher stets nur zu Unterhaltungszwecken gewettet und die Vermutung liegt nahe, dass eine Spielsucht vorliegt, dann können die folgenden Fragen dabei helfen zu überprüfen ob diese Vermutung wahr ist.

  • Wird oft gewettet? Beispielsweise schon vor der Arbeit, der Uni oder vor der Schule?
  • Wird aus Langeweile gewettet oder um die Zeit zu überbrücken?
  • Wird stets gewettet bis das das Spielerkonto leer ist?
  • Kam es wegen der Wettleidenschaft bereits schon einmal zu einem Konflikt mit Mitmenschen?
  • Wurden bereits Mitmenschen belogen, bezüglich der Geldbeträge, die verloren wurden?
  • Kam es schon zu einer Situation, wo gestohlen oder Geld geliehen wurde, um weiter wetten zu können?
  • Wird nur widerwillig Geld ausgegeben, damit dieses dann zum Wetten verwendet werden kann?
  • Besteht nach einer verlorenen Wette das Gefühl, dass der Verlust so schnell wie möglich mit einer neuen Wetten ausgeglichen werden muss?
  • Wird manchmal gewettet um sich selbst von persönlichen Problemen abzulenken?
  • Wird durch das Wetten fast immer Frust ausgelöst oder kommt es sogar zu Selbstmordgedanken?

Sollte eine oder sogar mehrere Fragen mit „Ja“ beantwortet werden, dann könnte es durchaus sein, dass der Sportwetter seine Wettleidenschaft nicht mehr unter Kontrolle hat. In diesem Fall sollte dann eine Beratungsstelle für Spielsüchtige kontaktiert werden.

Männer und Frauen – Jung und Alt

Die Experten schätzen die Anzahl der problematischen Spielsüchtigen in Deutschland auf 275.000 und mit einem krankhaften Spielverhalten auf 264.000 – wobei diese Zahlen aus 2011 stammen. Diese Zahlen beziehen sich zudem auf die Altersgruppe der 16 bis 65-jaehrigen und dabei wird bei der Spielsucht von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen. Denn Betroffene werden erst dann erfasst, wenn sie sich Hilfe suchen, doch davor schrecken beispielsweise die Nutzer des illegalen Glücksspiels oftmals zurück.
Verstärkt betrifft die Spielsucht die Männer. Die Frauen machen weniger als ein Drittel der Zahlen. Was das Alter angeht, so spielt das keine Rolle, denn hier scheint es keinen Unterschied zwischen Jung und Alt zu geben.

Welche Art des Glücksspiels zur Sucht wird, das ist sehr unterschiedlich und ist abhängig von den Menschen selbst. Die einen zieht es an die Daddelautomaten in den Spielhallen, Gaststätten oder den Online-Casinos und die anderen „verschreiben“ sich den Sportwetten. Dabei muss nicht immer das Geld eine zwingende Rolle einnehmen. Denn bereits Kinder und Jugendliche zeigen ein suchtähnliches Verhalten bei Online-Spielen, die mit keinerlei Einsatz verbunden sind. Bereits diese Spiele sind mit einem hohen Suchtpotenzial verbunden und können bei anfälligen Menschen dazu führen, dass sie ihr Arbeits- und Sozialleben vernachlässigen.

Der Weg aus der Spielsucht

Oftmals sind die Angehörigen in die Spielsucht verstrickt. Zunächst werden die Probleme erst mal heruntergespielt und nehmen den Spieler in Schutz vor den Kritikern. Oftmals wird auch die Dauer der Sucht durch die Angehörigen verlängert, wenn sie die Spielschulden oder die anstehenden Rechnungen für den Betroffenen begleichen. Erst sehr spät merken die Angehörigen zumeist, dass sie keine Möglichkeit haben, Einfluss auf das Spielverhalten zu nehmen. Dazu kommt, dass häufig auch das eigene Sozialleben unter der Sucht des Partners leidet.

Diejenigen die einen pathologischen Spieler im Freundeskreis haben oder in der Familie, der sollte diesem helfen. Dabei sollte der Helfende sich allerdings nicht selbst aus den Augen verlieren. Das bedeutet, dass das soziale Netzwerk aus Freunden und Bekannten weiter gepflegt werden muss und dabei sollte sehr offen mit den Problem des Angehörigen umgegangen werden. Zudem sollte sich der Angehörige selbst auch um Hilfe bemühen, die er bei den Beratungsstellen für Spielsüchtige findet, sowie bei der Schuldnerberatung und den Familienhelfern.

Nur dann wenn der Spielsüchtige selbst bereit ist, Hilfe anzunehmen, und selbst sein Problem erkennt, kann ihm bei dem Ausstieg aus der Spielsucht geholfen werden.

Spielsucht Roulette

Spielsucht – Wie schnell kann es passieren? was last modified: Januar 11th, 2017 by Birgit